Weniger ist mehr: Raus aus der Komfortzone

Avatar of schmitz 28. Februar 2020, Energie, Familienleben

„Ich verzichte jetzt erst mal komplett auf Zucker!“ sagte meine Kollegin bei den Stadtwerken Troisdorf, als wir zusammen in die Mittagspause starten wollten. „Und ich für 40 Tage auf Alkohol!“ schallte es aus dem Nachbarzimmer. Die jecken Tage sind vorbei. Und die Fastenzeit ist angebrochen.

Jeder Jeck ist anders

Ob Zucker, Alkohol oder Fernsehen – viele Menschen üben gerade Verzicht. Und das nicht etwa aus religiöser Überzeugung, weil die christliche Fastenzeit am Aschermittwoch angebrochen ist. Sondern einfach, weil sie sich selbst auf die Probe stellen möchten. Sie sind gewissermaßen auf den „Fastenzug“ aufgesprungen.

Ein Verzicht geht immer auch mit Entbehren einher. Aber ist das wirklich von Nachteil? Liegt nicht im Suchen nach Alternativen vielleicht auch eine Bereicherung? Und wenn eine Einzelperson – aus welcher Überzeugung auch immer – fastet, kann das doch auch ein Gewinn für eine ganze Gesellschaft sein – für unsere moderne, auf Konsum ausgerichtete Wegwerfgesellschaft.

Das war jetzt vielleicht schon philosophisch angehaucht. Aber es lohnt sich, einfach mal drüber nachzudenken. Denn es gibt so viele Bereiche in unserem Alltag, in denen weniger mehr ist. Oder in denen man sich zurecht fragt, ob das wirklich sein muss.

Plastikfasten leichtgemacht

An Plastik kommen wir im Alltag heutzutage gar nicht mehr vorbei. Sage und schreibe rund 14 Millionen Tonnen Plastik werden Jahr für Jahr in Deutschland verbraucht – Tendenz steigend. Und es ist wahrlich kein Grund sich darüber zu freuen, dass wir Deutschen im Vergleich mit anderen europäischen Ländern Spitzenreiter sind.

Und da es für Otto-Normal-Verbraucher wie mich realistisch betrachtet unmöglich ist, gänzlich auf Plastik zu verzichten, werde ich Schritt für Schritt nach Alternativen suchen, um Plastik zunehmend den Rücken zu kehren – nicht nur während der Fastenzeit, sondern auch über Ostersonntag hinaus.

Wir haben schon einiges verändert: wiederverwendbare Silikondeckel statt Wegwerf-Frischhaltefolie, Joghurt aus dem Glas statt aus dem Plastikbecher und einen Baumwollbeutel für Spontaneinkäufe in der Handtasche, damit ich keine Plastiktüten brauche.

Plastikfasten kann jeder, indem er einfach mal nach Alternativen zum allgegenwärtigen Kunststoff sucht. Der Besuch im Zero-Waste-Laden lohnt sich...

Energiesparen als Fastenmodell

Während ich mit meiner Familie beim Abendessen zusammensaß und wir über die unterschiedlichen Fastenideen gesprochen haben, fragte mein Sohn plötzlich: „Ist Stromsparen eigentlich auch Fasten?“ Na klar, ist es natürlich!
Nicht nur Strom, sondern auch Gas und Wasser sollten wir bewusster und nachhaltiger nutzen. Das ist ein wichtiger Beitrag für die Umwelt. Und man kann meines Erachtens nicht früh genug damit beginnen, Kinder zu sensibilisieren, was Nachhaltigkeit eigentlich bedeutet.

Nachhaltigkeit muss und darf kein theoretisches Konzept sein, über das man nur viel redet, sondern gelebte Wirklichkeit. Und wie selbstverständlich mein Sohn das schon für sich angenommen hat, zeigte sich kurz darauf beim Zubettgehen, als er sagte: „Mama, Du kannst ruhig schon mal das große Licht ausmachen. Ich schlafe jetzt und spare Strom!“

Und mit welchem Fastenmodell wollt Ihr Euch oder der Umwelt etwas Gutes tun?

 

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1 Kommentare

Burkhard

03. März 2020

Toller Beitrag!

Toll, dass in einem Satz auch das Wasserfasten (Wasser sparen) angesprochen wurde. Das ist ein Punkt, wo unter dem Nachhaltigkeitsgedanken noch am meisten geschafft werden kann. Das Strom und Gas sparen ist ein Thema, wo auch noch viel möglich ist, es ist aber schon seit Jahren in den Ohren der Kunden und fast schon überdrüssig.

In den letzten beiden Jahren haben wir enorm viele Zwischenzähler für die Gartenbewässerung zulassen müssen. Das heißt, ganz viele Kunden nutzen "Trinkwasser" für die Gartenbewässerung. Um dies billiger zu machen, bauen die zum Erlass der Schmutzwassergebühr Zwischenzähler ein. Weil das Wasser nicht in den Kanal geht, müssen wir das zulassen!

Die Regenwassernutzung für die Gartenbewässerung ist eine hervorragende Alternative, eigentlich auch das was die Natur uns seit Jahrtausenden gewährleistet. Regenwasser der Natur durch die Ableitung in den Kanal zu entziehen führt dazu, dass Ortsnah Regenwasser nicht dem Grundwasser zugeführt wird = Thema trockene Böden und füllen des Grundwasserspeichers.

Wenn es geschickt gemacht wird, kann durch die Nutzung von Regenwasser für die Gartenbewässerung neben den Kosten für das Frischwasser und den Zwischenzähler auch noch die Niederschlagswassergebühr gespart werden! Also was für Sparfüchse