Nachhaltigkeit im Kleiderschrank

Avatar of schmitz 09. Oktober 2019, Service, Familienleben

Wer an Nachhaltigkeit denkt, denkt schnell ans Energiesparen, an den Umgang mit Strom, Gas und Wasser oder auch an den Verzicht von unnötigem Plastikmüll. Doch auch in der Textilindustrie wird Nachhaltigkeit zunehmend großgeschrieben. Immer mehr Ökosiegel sind mittlerweile auf den Markt gelangt. Und vielleicht habt Ihr es vor ein paar Wochen in den Medien mitbekommen: Nun ist mit dem „Grüner Knopf“ das erste staatlich kontrollierte Textilsiegel eingeführt worden.

Augenwischerei oder Kleidungs-Kompass?

Das neue Siegel soll ein Aushängeschild für nachhaltige Kleidung sein und uns darüber informieren, welche Klamotten wir mit gutem Gewissen kaufen können. Der Grüne Knopf, wie auch die anderen Siegel, sollen faire Lieferketten belegen. Sie zeigen auf, dass die Kleidungsstücke Schadstoff-geprüft und recycelbar sind. Während manche Siegel einen sehr umfassenden Kriterienkatalog mit strengen Mindestanforderungen haben, sind andere vergleichsweise lasch und beleuchten nur Einzelaspekte. Daher lassen sich die Siegel nicht wirklich miteinander vergleichen.

Aber mal ehrlich: Jeans für 9,99 Euro im Discounter oder T-Shirts für 1,99 Euro im Angebot – da weiß ich auch ohne Siegel, dass diese Kleidungsstücke nicht fair produziert sein können. Weder unter ökologischen Gesichtspunkten, noch unter sozialen. Für solche Billigprodukte wird hemmungslos ausgebeutet. Das gilt für die Arbeitsbedingungen der Näherinnen genauso wie für die Umwelt.

Weniger ist mehr

Wenn ich den Kindern oder mir neue Kleidungsstücke kaufe, lasse ich mich von meinem Geschmack leiten. Und natürlich spielt auch der Preis eine wichtige Rolle. Während ich mir früher nie Gedanken darüber gemacht habe, wie und wo beispielsweise die schicke Bluse entstanden ist, werfe ich heute zumindest einen Blick aufs Etikett. Ein Siegel gibt mir dann das gute Gefühl, die richtige Wahl zu treffen. Und gleichzeitig ertappe ich mich dabei, wie ich manchmal doch etwas kaufe, einfach weil die Gelegenheit im wahrsten Sinne des Wortes gerade günstig ist.

Und genau da setzt meine persönliche Nachhaltigkeits-Strategie an: Der Kleiderschrank ist schon voll und ich überlege nun zwei Mal, ob die Neuanschaffung wirklich nötig ist. Schließlich hängen viele Teile kaum getragen und fast vergessen im Schrank. Und wenn ich dann shoppe, dann muss dafür auch etwas weichen. Das aber wird nicht einfach weggeworfen, sondern wandert in die Altkleidersammlung.

Aus alt mach neu

Meine kreative Freundin geht noch einen Schritt weiter: Sie hat das Upcycling für sich entdeckt – und das schon lange. Vor wenigen Jahren wurden ihre „Reste-Klamotten“ belächelt und heute ist sie damit voll in. Geschickt arbeitet sie alte Hosen mit ein paar Stoffresten in pfiffige Röcke um, macht aus abgenutzten Pullis einzigartige Westen und aus löchrigen Stricksocken Pulswärmer. Die Wegwerfmentalität ist ihr zuwider und gleichzeitig freut sie sich über Unikate, die aus der breiten Masse herausstechen.

Umdenken ist angesagt

Wie man es auch dreht und wendet: Wir leben im Überfluss! Und manchmal vergessen wir, dass vernünftig eben auch nachhaltig heißt. Beim Blick in meinen Kleiderschrank muss ich mir eingestehen, dass meine Garderobe in vielerlei Hinsicht weit entfernt von nachhaltig ist.

Sich dessen überhaupt erst einmal bewusst zu werden, ist der erste Schritt. Und nun gehe ich den Weg und mache mir immer häufiger Gedanken darüber, ob dieses oder jenes Kleidungsstück wirklich zu mir passt. Das heißt noch lange nicht, dass ich meine Garderobe komplett umstelle oder plötzlich nur noch „Ökoklamotten“ kaufe. Aber hin und wieder zögere ich dann doch und lege den Pulli oder die Hose wieder zurück, weil sie zu dem Preis weder für die Umwelt, noch für meine Haut gut sein kann.

Wenn auch Ihr Euch für nachhaltige Klamotten interessiert, dann schaut doch einfach selbst mal, was sich hinter den ganzen Siegeln wie EU Ecolable, dem IVN Best-, GOTS-, Made in Green- oder dem Cradle to Cradle-Siegel sowie dem Grüner Knopf verbirgt. Und verratet uns, welche Bedeutung die Siegel für Euch beim Kleidungskauf haben.

 

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1 Kommentare

Linda

15. November 2019

Weniger ist mehr - statt also einfach nur den Kleiderschrank zu füllen, lieber mal über den nachhaltigen Umgang mit unseren Ressourcen nachdenken!